Hausarzt

Die aktuelle Ausgabe (März 2016)

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Schulden und Schuldige

Zwei Themen liefern bevorzugt seit einiger Zeit Schlagzeilen: die exzessive Fortsetzung der staatlichen Schuldenpolitik und das Schuldzuweisen, z. B. wegen des Staus in der Gesundheitsreform. Wobei „Stau“ zur Beschreibung der Situation nicht taugt. Vielmehr handelt es sich um eine chronische Obstipation. Wirksame zielgesteuerte Reformen sind schon seit langem überfällig. Das Thema Schuldenpolitik lässt sich leicht abhandeln. Wer glaubt, dieser Karren wäre noch irgendwie aus dem Dreck zu ziehen, gehört wohl zu den hoffnungslosen Optimisten. Ohne Schuldenschnitt und neue Regeln für Wirtschaft und Finanzen geht da früher oder später gar nichts mehr. Irgendwelche Schuldigen zu benennen erübrigt sich, weil Regierungen und auch Politiker für ihre Entscheidungen letztlich keine Verantwortung übernehmen müssen. Unumstößlich bleibt der hohe Stellenwert von Gesundheit für uns alle. Ein solidarisches, gut funktionierendes Gesundheitssystem bildet das Fundament für umfassende medizinische Versorgung, in Zukunft sicher auch für mehr Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung. Jetzt steckt der politische Reformtreck also wieder einmal irgendwo im Stau. Und schuld daran sei der Föderalismus, wie ein steirischer Politiker kürzlich medial postulierte. Ein gefundenes Fressen für die Ärztekammern, die ja bei der Erarbeitung der Zielsteuerungsverträge ausgeschlossen waren. Wie viele Köche verderben den Brei? Egal wie viele, wenn miserable Köche kochen. Inzwischen stinkt dieser ineffiziente Einheitsbrei schon gewaltig zum Himmel, nur: Gestank wird kaum mit Gefahr assoziiert. Dass dies aus Sicht der Medizin bis ins 19. Jahrhundert nicht so war, gibt mir die erfreuliche Möglichkeit, wieder einmal auf unsere HAUSARZTMedizinhistoriker Dr. Regal und Dr. Nanut aufmerksam zu machen. Sie berichten in dieser Ausgabe über Ärzte, die „Miasmen, Todtendünste und Kanalgase“ (Seite 27) als Krankheitserreger erforscht haben. Ernsthaftes Bemühen angesichts der vermeintlichen Gefahren führte schließlich zum Erfolg und wäre auch heute ein gutes Rezept, um unser Gesundheitssystem auf zukunftstaugliche Beine zu stellen. Auch das Coverthema dieser Ausgabe befasst sich mit einer bedeutenden medizinischen Frage: der Bedeutung von Ernährung bzw. Komplementär-/Alternativmedizin als additiv-therapeutische Mittel für Krebspatienten (Seite 22). Zwei Projekte haben zum Ziel, Daten zu diesen Fragestellungen zu sammeln und wissenschaftlich auszuwerten. Ihr Interesse und Ihre Unterstützung, sehr geehrte Leserinnen und Leser, könnten ein wertvoller Beitrag dazu sein.