Typ-2-Diabetes

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Typ-2-Diabetes

Sind alle Sulfonylharnstoffe gleich?

Von Helmut Brath

Dr.H.Brath

Viele neue Medikamente und Therapiestrategien haben unsere therapeutischen Optionen des Typ-2-Diabetes in den letzten Jahren bereichert. Sulfonylharnstoffe als „Klassiker“ der Diabetestherapie sind nach wie vor eine der wichtigen Therapieoptionen. Doch auch hier gibt es Neuigkeiten und es kristallisiert sich heraus, dass man nicht von der Substanzklasse, sondern eher von einzelnen Medikamenten sprechen sollte.

Wir kennen heute gravierende Unterschiede, so dass Monami et al1 im Titel einer Kohortenstudie fragen: „Are sulphonylureas all the same?“. Die Studiengruppe zeigt hierbei – im Vergleich von Glibenclamid zu Gliclazid – eine erhöhte Mortalität bei langjähriger Therapie mit Glibenclamid (OR 2,1, CI 1,2-2,7), basierend vor allem auf einer erhöhten Mortalität durch Malignome (OR 3,6, CI 1,1-11,9). Weiters zeigte Monami eine erhöhte kardiovaskuläre Morbidität unter Glibenclamid. Hierzu passen die Daten von Katakami et al2: Therapie mit Gliclazid, im Vergleich zu Glibenclamic, reduziert die Progression der Intima-Media-Dicke der Carotiden um 50 Prozent.

 

Studien der letzten Zeit geben Hinweise, dass Hypoglykämien möglicher Weise nicht nur für Patienten sehr unangenehm sind, sondern die Mortalität erhöhen3,4. Umso wichtiger sind Medikamente, die Unterzuckerung, trotz guter Wirkung, unwahrscheinlich machen. Hier zeigte uns die GUIDE-Studie die Überlegenheit von Gliclazid versus Glimepirid: gleich gute Besserung der Glykämie, aber um 58 Prozent weniger Patienten mit Hypoglykämien.

 

Zu Recht werden für Medikamente Endpunktdaten gefordert. Leider liegen solche für viele Diabetesmedikamente nicht vor. Bei den Sulfonylharnstoffen gibt es Endpunktdaten nur zu Glibenclamid (UKPD-Studie) und zu Gliclazid6. Die ADVANCE-Studie zeigte hierbei nicht nur die Sicherheit von Gliclazid, sondern eine tendenzielle Besserung der makrovaskulären Komplikationen sowie eine signifikante Besserung der mikrovaskulären (hier vor allem der nephropathischen) Komplikationen.

 

Zusammenfassend wäre zu sagen, dass Sulfonylharnstoffe auch weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil der antidiabetischen Therapie sind, vor allem bei einem BMI kleiner als 26 und in Kombinationstherapien. Es gibt aber höchst relevante Unterschiede innerhalb der Gruppe der Sulfonylharnstoffe. Kriterien zur Entscheidungsfindung für den therapeutischen Einsatz sollten die wissenschaftliche Belegung durch Endpunktstudien, Sicherheitsparameter (insbesondere Hypoglykämien), Gewichtsneutralität sowie positive Surrogatparameter sein.

 

1. Monami M et al. Diabetes Metab Res Rev. 2007 Sep;23(6):479-84.

2. Katakami N et al. Diabetologia. 2004;47:1906-13.

3. ACCORD Study Group. N Engl J Med. 2008;358:2545-59.

4. NICE-Sugar Study Investigators, N Engl J Med. 2009, e-pub 24. 3. 2009.

5. Schernthaner G et al. Eur J Clin Invest. 2004;34:535-42.

6. ADVANCE Collaborative Group. N Engl J Med. 2008;358:2560-72.

 

Dr. Helmut Brath

Gesundheitszentrum Wien Süd, Wiener Gebietskrankenkasse

 

 
 
  
   
   
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