Erste Hilfe bei Stress
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- Veröffentlicht am Freitag, 09. Dezember 2011 09:04
Erste Hilfe bei Stress
von Mag. Anita Frauenwallner
In den vergangenen 20 Jahren hat sich eine neue Subdisziplin innerhalb der klassischen Gastroenterologie entwickelt, die „Neurogastroenterologie“. Sie umfasst die Erforschung der Dysfunktionen der Interaktion zwischen Gehirn, Rückenmark und Verdauungstrakt. Diese Verbindung wird als „Gehirn-Bauch-Achse“ oder „Gut-Brain-Axis“ bezeichnet. Es ist heute eine bekannte Tatsache, dass Stress nicht nur einen Einfluss auf die Entwicklung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen hat, sondern auch auf den Verlauf von funktionellen gastrointestinalen Störungen.
Das Enterische Nervensystem (ENS) bildet ein Netzwerk aus Neuronen, das in seiner Anzahl und auch in seiner Bedeutung dem des Rückenmarks ähnelt. Es steuert selbständig und unabhängig die intestinale Motilität. Außerdem ist es beteiligt an der Sekretion von Verdauungsenzymen und der Regulation des Blutflusses. Interaktionen und Zusammenhänge zwischen Emotionen und Gastrointestinaltrakt sind wohlbekannt. Symptome wie Durchfall und Abdominalbeschwerden sind nicht selten bei emotionaler Belastung. Allerdings sind umgekehrt auch die Stimmung und andere Hirnfunktionen von der Befindlichkeit und Homöostase des Darmes beeinflusst, um es deutlicher zu sagen – etwa 90 Prozent der Reaktionen sind durch unser „Bauchhirn“ beeinflusst, nur etwa 10 % Prozent steuert tatsächlich das Kopfhirn. Mittlerweile weiß man, dass viele psychische Erkrankungen ihre Ursache in einer Störung des Verdauungstraktes haben. Dies speziell durch auch in Österreich durchgeführte Forschungen, die zeigten, dass eine durch Medikamente ausgelöste milde Colitis oder Gastritis bei Mäusen zu psychischen Problemen wie Angststörungen führt. Die jahrelange Frage nach der Ursache, was ist die Henne, was das Ei, scheint auch durch jene Untersuchungen eindeutig gelöst, die nachwiesen, dass Depressionen sehr einfach durch inflammatorische Zytokine ausgelöst werden können, wenn diese im Rahmen einer Therapie zum Einsatz kommen.
Bidirektionale Bauch-Hirn-Achse
Bei einer Dysbiose im Darm und den daraus resultierenden toxischen und inflammatorischen Reizen werden durch Bakterien Signale ins Gehirn gesendet, welche verschiedene psychische Beeinträchtigungen verursachen:
- Angststörungen
- Depressionen
- fehlende Appetitkontrolle, Heißhunger
- überschießende Schmerzreaktionen
- Konzentrationsstörungen
Die Verbindung von ZNS und ENS:
Die Verbindung dieser beiden Systeme funktioniert in erster Linie über das CRH (Cortikotropin-Releasing-Hormon). Neben seiner Funktion der Freisetzung des ACTH aus der Hypophyse hat es direkte Effekte auf den Darm:
- Mastzelldegranulation in der Darmwand
- Steigerung der Permeabilität
- Gesteigerte Hypersensitivität
Diese Effekte können als Wegbereiter gesehen werden, sowohl für funktionelle Darmbeschwerden, als auch für Chronisch-Entzündliche Darmerkrankungen wie Mb. Crohn, -Colitis Ulcerosa oder Pouchitis.
Mittlerweile wird sowohl in der Kardiologie, der Immunologie, als auch in verschiedensten anderen medizinischen Disziplinen der sogenannten „silent inflammation“, resultierend aus einer zytokingesteuerten Öffnung der Tight Junctions im Darm ein hohes Krankheitspotential zuerkannt.
Die langanhaltende Einwirkung von Stress verursacht nach einer biochemischen Kaskade die Auflösung der Membranproteine der Tight Junctions und führt so zum „Leaky-Gut-Syndrom“ . Die daraus resultierende Permeation von pathogenen E. coli, von Toxinen und Allergenen erhöht noch die Entzündungsneigung und daraus resultierend die negativen Auswirkungen von Stress – Konzentrationsstörungen, chronische Müdigkeit, Depression und Reizdarmsyndrom sind die Folge.
In der Therapie dieser Erscheinungen kommt den modernen, medizinisch relevanten Probiotika eine immer größere Bedeutung zu. Durch die Selektion von spezifisch entzündungshemmenden Bakterienspezies gelingt es, die Epithelzellschicht zu regenerieren, die Tight Junctions wieder zu festigen, die Mastzelldegranulation zu stoppen und die intestinale Mikroflora zu stabilisieren. In Folge restituiert sich die Serotonin- und Melatoninproduktion, die Produktion von Stresshormonen und Neurotransmittern normalisiert sich, die Patienten sind stressresistenter und ihre Probleme im Gastrointestinaltrakt gehen zurück.
Durch die Gabe von speziell entzündungshemmenden probiotischen Bakterien sinkt der Grad der Inflammation an der Mukosa.




